September, 2014

Dr. Oetker Food-Service

Groß, größer, Mega-Dimensionen: GV-kompakt schaute bei Dr. Oetker hinter die Kulissen und fragte nach den Strategien, Trends und Entwicklungen der Großverbraucher.
Fotos: Lehmann

Wer Dr. Oetker hört, denkt zuerst an Pudding und natürlich an den Standort Bielefeld. Hier ist der Ursprung und die Heimat des Konzerns auf einem Gelände, das heute wie eine schicke, kleine eigene Stadt in der Stadt anmutet. Hier gibt es die süße Dr.-Oetker-Welt, in der Endverbraucher auf unterhaltsame und sinnliche Weise die Produkte und die Philosophie des Unternehmens erleben und begreifen können.

Gut 450 Kilometer südlich davon, in der Mörscher Straße in Ettlingen, agiert und denkt der Konzern in Mega-Dimensionen, denn hier schlägt sein Herz für die Großverbraucherkunden. Auf einem funktionalen Werksgelände, dem früheren Standort der Eto Nahrungsmittel KG, entwickelt, testet, verkostet und produziert der Sortimentsbereich Dr. Oetker Food-Service. Zur pikanten und süßen Produktpalette für Großkunden gehören Pasta- und Kartoffelspezialitäten, Suppen, Saucen und Würzmittel, tiefgekühlte vegetarische Produkte und Suppenklößchen, Puddings, Cremes und sonstige Desserts, Backwaren und Frühstücksprodukte. Zudem werden hier Marketingkonzepte und Ideen für Profiküchen entwickelt. Es gibt Schulungsräume für die Kunden, wo sie mit allen nötigen Informationen zum Einsatz der Produkte und mit nützlichen Hinweisen zu zahlreichen Themen rund um einen effektiven Küchenalltag versorgt werden.

„Der GV-Bereich folgt seinen eigenen Regeln“, erklärt Werksleiter Bernhard Kuhnimhof und beschreibt die Besonderheiten der Produktion für Großkunden: „Im Profi-Alltag müssen die Produkte hohen Ansprüchen gerecht werden, lange Warmstandzeiten aushalten und ein unkompliziertes Handling ermöglichen. Das erfordert genau darauf abgestimmte Rezepturen. Wir produzieren chargenweise im Manufakturbetrieb. 500 bis 700 Kilo sollte der Produktumfang für einen Auftrag mindestens haben, vorher gehen die Anlagen gar nicht an“, erläutert Kuhnimhof.

Das Werk aus den 1960er Jahren wird seit geraumer Zeit Schritt für Schritt saniert. Das Verwaltungsgebäude erfuhr eine komplette Modernisierung. Neue Fußböden, neue Fliesen, neue LED-Beleuchtungen zogen in die Produktionsstätten ein. Neben dem alten Froster, der mit Ammoniak kühlt, leistet jetzt auch ein moderner, stickstoffbetriebener seine Dienste. Lagerräume wurden um- und ausgebaut. Etwa 85 Prozent der Sanierung ist jetzt abgeschlossen.

Aktuell liegt die Tageskapazität des Ettlinger Werks zwischen 30 und 40 Tonnen. Ein wichtiger Artikel ist ein sogenanntes Vorprodukt, die Roux, eine klassische Mehlschwitze, geeignet zum Binden von Suppen und Saucen. Dr. Oetker Food-Service stellt davon zwei dunkle, eine helle und eine rote Variante her. Fett und Mehl werden dafür zunächst gemischt, dann aufgekocht, abgekühlt und anschließend granuliert. Beim Abfüllen verströmt das Produkt einen würzigen, ganz eigenen Geruch. In Eimern oder Fässern ist es bei Raumtemperatur lange lagerfähig und sehr ergiebig. Der Zehn-Kilogramm-Eimer ergibt ca. 130 bis 170 Liter Sauce oder reicht für ca. 170 bis 250 Liter Suppe. Mindestens fünf Tonnen Roux produziert das Unternehmen täglich, was die kaum vorstellbaren Mengen von 85.000 Litern Sauce oder 125.000 Litern Suppe ergibt.

Dass es auch einige Nummern kleiner geht, zeigt Bernhard Kuhnimhof an der Maschine nebenan. Hier laufen pikante Produkte – Saucen, Würzungen etc. – für die Marke „Fleischer“ vom Band, entwickelt für Metzgereien und deren Endkunden. Direkt davor spuckt eine Abfüllanlage hintereinanderweg Drei-Kilogramm-Pakete mit Ungarischer Gulaschsuppe aus. Je zwei davon werden am Ende mit Folie zusammen und in Kartons verpackt.

Gleich dahinter wiederum befüllt eine weitere Apparatur Zwölf-Liter- Eimer mit einer trockenen Suppenbasis. Sie kommt direkt aus der Mischerei, dem Herzstück der Produktion, in der die einzelnen Komponenten eines Erzeugnisses nach genauen Rezepturen in großen Silos zusammengebracht und vermischt werden, um dann per Druckluft in die vollautomatische Abfüllung zu gelangen. Eine gläserne Fassade lässt viel Licht in diesen Bereich. „Diese Werkshalle hat ein Ästhet gebaut“, erzählt Bernhard Kuhnimhof. Platz und Helligkeit habe sie den alten Hallen voraus, den hohen Energieverbrauch aber auch. „Zum Teil nutzen wir die Schwerkraft – vom Lager über die Mischerei bis zur Abfüllung. Heute verwenden wir aber auch Druckluft für den Transport der Produkte aus den Silos der Mischerei in die Abfüllanlagen“, räumt der Werksleiter ein. Die befüllten Eimer greift sich ein moderner, leistungsstarker Palettierroboter. Er packt Behältnisse verschiedenster Größen sicher an und stapelt sie zuverlässig auf Transportpaletten. „Eine für den Menschen körperlich schwere und ermüdende Arbeit, die wir gern dem „eisernen Kollegen“ überlassen“, meint der Werksleiter schmunzelnd.

Einige Schritte weiter ist hingegen menschliches Einfühlungsvermögen gefragt. Hier lagern die Gewürze für die Food-Service-Produkte von Dr. Oetker. Sie müssen genauestens ausgewählt und abgewogen werden, um gleichbleibende Qualität der Erzeugnisse zu gewährleisten. Dafür nutzen die Mitarbeiter allerdings nicht die üblichen Dosierhilfen einer Profiküche – die wären viel zu klein. Abgemessen werden Kräuter und andere Würzmittel in ca. 100 Liter großen Behältern, doch mindestens ebenso genau, wie mit einer kleinen Präzisionswaage.

An die Gewürztheke schließen sich die Produktionsräume für den an diesem Standort noch jungen Tiefkühlbereich an. Hier entsteht die Pasta von Dr. Oetker Food-Service in verschiedenen Variationen. Über drei riesige Anlagen läuft Nudelteig, wird geschnitten, geformt und zum Teil gefüllt und sofort tiefgefroren: Tortellini, Gnocchi, Cannelloni, Lasagne. Die drei Maschinen sind abwechselnd in Betrieb. Produziert wird chargenweise, jeweils nach zwei Schichten wechselt das Produkt. „Am beliebtesten sind unsere Gnocchi, am aufwendigsten ist die Herstellung der Lasagne“, ordnet Bernhard Kuhnimhof die Erzeugnisse ein. Zwölf Komponenten würden allein bei der Produktion der Lasagne auf die Nudelteigblätter aufgebracht, beschreibt er stolz. Die Kunden bekommen das TK-Produkt in GN-Form und können es direkt im Kombidämpfer erhitzen. Convenience, die nicht nur dem Küchenchef „schmeckt“ sondern auch seinen Gästen.

GV-kompakt fragte den Bereichsleiter Dr. Oetker Food-Service Guido Klüh nach den Strategien, Trends und Entwicklungen der Großverbraucher-Sparte im Konzern.

Welche Rahmenbedingungen beeinflussen aktuell die Umsatzentwicklung im Konzernbereich Food-Service?
Wir spüren sehr direkt den Kostendruck in der Gemeinschaftsverpflegung, vor allem im Care-Bereich. Viele Entscheidungen werden allein preisgetrieben getroffen. Wir wollen die Kunden mit unserer Leistung überzeugen und sie zu einem ganzheitlichen Blick auf die Produktkette führen, der alles abbildet: Qualität, Sicherheit, Personal, Zeitfaktor.

Der Konzerngeschäftsbericht erwähnt für das Großverbrauchergeschäft eine neue Strategie, die seit 2013 verfolgt wird. Was genau beinhaltet sie?
Sie bedeutet eine noch stärkere Fokussierung auf die Anwender unserer Produkte und eine klare Lösungsorientierung aus Kundensicht, gerade auch für die Bereiche Care, Betriebsgastronomie und Schule.

Welche Maßnahmen werden zur Stabilisierung des Umsatzes realisiert?
Abgeschlossen haben wir dafür bereits den Relaunch unserer Suppen und Saucen durch komplett überarbeitete Rezepturen. Im nächsten Schritt kommen wir ab September mit neuen Pasta- und Dessertrezepten auf den Markt. Zudem konzentrieren wir uns in den nächsten Monaten noch stärker auf die Entwicklung neuer Produkte.

Welchem Produkt/welcher Marke der Markenfamilie gilt derzeit Ihre besondere Aufmerksamkeit?
Es geht aktuell nicht um ein Produkt oder um eine Marke. Wir konzentrieren uns momentan auf die Segmentorientierung. Das bedeutet, wir entwickeln auf die einzelnen GV-Bereiche genau zugeschnittene Marketing-, Vertriebs- und Produktlösungen. Wir bauen beispielsweise „eine Welt“ um das Produkt, oder konzipieren themenbezogene Angebotswochen.

Welchen Trends/Entwicklungen im GV-Bereich wollen Sie mit neuen Lösungen entsprechen?
Spannend sind für uns unter anderem neue Kommunikations- und Informationswege. Wir haben beispielsweise mit unserer Italien- App sehr gute Erfahrungen gemacht und viele positive Rückmeldungen bekommen. Dieser Weg scheint erfolgversprechend, deshalb werden wir ihn weitergehen. Ein anderes Thema sind die nach wie vor bestehenden Vorbehalte gegenüber Convenience- Produkten. Darauf wollen wir jetzt mit mehr Unterstützungen für die Küchenchefs reagieren, ihnen mehr Service, mehr Ideen für Verfeinerungen oder Individualisierungen liefern. Dann können auch die Aspekte Gelingsicherheit, Zeitersparnis, einfaches Handling überzeugen.

Wo steht Dr. Oetker Food-Service im Vergleich zu Mitbewerbern derzeit und wo will der Geschäftsbereich Großkunden künftig hin?
Wir haben eine ausgewiesene Kompetenz in den beiden Bereichen: pikant und süß für Profiküchen. Diese Position wollen wir konsequent behaupten und künftig noch weiter stärken.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für das Unternehmen?
Für uns ist hier das Thema Personalführung und fairer Umgang mit den Mitarbeitern ein ganz wichtiger Aspekt. Dr. Oetker ist und bleibt ein Familienunternehmen, das diesem Namen gerecht werden möchte. Von daher spielt das Thema Nachhaltigkeit schon immer eine wichtige Rolle. In Ettlingen investieren wir viel in die Qualifizierung der Mitarbeiter und gehen auch hier unseren eigenen Weg. Im Außendienst beipielsweise bieten wir den Mitarbeitern individuell zugeschnittene Trainings an sowie ein regelmäßiges Coaching durch die Vorgesetzten. Grundsätzlich sind alle Maßnahmen hier am Standort aber ein Teil der Gesamtstrategie des Unternehmens.

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