April, 2014

Dr. Schnell Chemie GmbH

Sauberkeit seit Generationen: GV-kompakt schaute bei Dr. Schnell hinter die Kulissen und fragte über Tradition und Innovation, Familienunternehmen und die Faszination von Reinigungsprodukten ganz genau nach.
Fotos: Lehmann, Lehmann, Dr. Schnell, Lehmann

Vor 90 Jahren tummelten sich im Norden Münchens, im Stadtteil Milbertshofen auf der so genannten Kaninchenwiese unzählige flinke Hasen und Häschen. Auch heute huschen auf dem Gelände gelegentlich noch Nachfahren der Tiere hin und her, obwohl auf der einstigen Kaninchenwiese jetzt ein hochmodernes Chemieunternehmen agiert. Auf rund 20.000 Quadratmetern in der Taunusstraße 19 hat hier die Dr. Sschnell Chemie GmbH mit 280 Beschäftigten ihren Hauptsitz und Produktionsstandort.

Ein schmuckes Häuschen mit Spitzdach mitten auf dem Firmengelände fällt beim Rundgang neben Werkshallen und schlichten Verwaltungsgebäuden sofort ins Auge. In ihm begann die Seifensiederei an diesem Standort des bereits im 17. Jahrhundert gegründeten Handwerksbetriebs der Familie Schnell. Um 1927 verlagerte der Großvater des heutigen Firmenchefs Dr. Thomas Schnell die Produktion vor die damaligen Tore der Stadt. Ein Foto aus der Zeit zeigt die Siederei mit riesigem Schornstein nebendran inmitten einer Heidelandschaft. Gegenwärtig ist das Werksgelände nahe dem Frankfurter Ring längst innerstädtisch und das schmucke Häuschen, bestückt mit modernster Solartechnik auf dem Spitzdach, beherbergt den Werksverkauf. Die Produkte hier in den Regalen sind im normalen Supermarkt nicht zu finden. Dr. Schnell produziert ausschließlich für den Profi-Bereich. Das Sortiment umfasst Reinigungs-, Hygiene-, Desinfektions- und Hautpflegeprodukte für die Gebäudereinigung, Großküchenhygiene, Textilhygiene, Desinfektion, Hautschutz, -reinigung und -pflege, Fahrzeugreinigung und Spezialprodukte für die Industrie.

Rezepturen aus dem eigenen Labor

Etwa 260 Rezepturen aus dem eigenen Labor liefern aktuell die Basis für die Herstellung der Dr.-Schnell-Erzeugnisse. Alle Rohstoffe werden bereits während ihrer Anlieferung einer Qualitätskontrolle unterzogen. Die Laugen, Säuren, Tenside, Duft- und Farbstoffe, Lösungsmittel und Wasser lagern bis zu ihrer Verarbeitung in genehmigten Gebinden oder Tanks. Beim Herstellungsprozess gelangen die Rezepturbestandteile in Rühranlagen, wo Maschinen sie miteinander vermischen. Anschließend durchlaufen die Erzeugnisse wiederum strenge Qualitätsprüfungen, bevor automatisierte Anlagen die Abfüllung in Verkaufsgebinde übernehmen. Zur Verpackung der Flaschen und Kanister stehen flinke Frauen und Männer am Band und verstauen diese mit geübten Griffen. Staplerfahrer warten bereits, um die Kartons in einem der beiden Fertigwarenlager zu verstauen. Über Speditionen gelangen die Produkte schließlich zu den Kunden bzw. werden von diesen mit LKWs direkt vom Münchner Werksgelände abgeholt. Insgesamt arbeiten etwa 70 Mitarbeiter in der Produktion von Dr. Schnell. Der hohe Anteil manueller Arbeiten garantiert die erforderliche Flexibilität beim schnellen Reagieren auf Kundenwünsche.

Die werkseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit sieben Beschäftigten ist der einzige Bereich, der für Besucher des Unternehmens strikt tabu bleibt. Seit Jahrzehnten sichern Innovationen den Bestand, die Weiterentwicklung und den Erfolg des Familienbetriebes. Verständlich, dass sie gut behütet werden.

Als der heutige Seniorchef Dr. Wolfgang Schnell nach dem plötzlichen Tod des Vaters 1963 den Betrieb mit zehn Angestellten übernahm, hatte die industrielle Fertigung den Niedergang des Seifensiederhandwerks eingeläutet. Der damals 20-jährige Schnell, Chemiestudent im zweiten Semester, erkannte bald, dass der elterlichen Betrieb nur durch Innovation überleben würde und setzte auf industrielle Reinigungs produkte. Lange bevor eine Umweltpartei aktiv wurde, arbeitete Schnell nächtelang an umweltverträglichen Erzeugnissen und schaffte 1972 den Durchbruch mit dem umweltschonenden Industrie-(Kalt)-Reiniger VP-S-1072 für die Deutsche Bahn. Seitdem setzt das Familienunternehmen immer wieder Meilensteine mit noch umweltverträglicheren und ressourcenschonenderen Produkten, kann Zertifizierungen und Ehrungen gleichermaßen vorweisen, zuletzt die Auszeichnung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 213.

Innovation, Schulung und Service

Mindestens so wichtig wie das Umweltthema ist dem Münchner Familienbetrieb der Servicegedanke – und das auch bereits seit Jahrzehnten. „Nur richtig angewendet nützen die modernen, umweltschonenden Produkte unserer Firmen“, stellt Marketingleiter Johann Mayer klar. Deshalb sorgt ein großer Pool von fachkompetenten Außendienstmitarbeitern, Beratern und Technikern für eine intensive Betreuung der Kunden. Sie reicht von ausführlicher Information über Schulung der Mitarbeiter, Erstellung individueller Konzepte und Reinigungslösungen bis hin zur Wartung der Technik. Das eigene Schulungszentrum Alegria in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Produktionsstätten von Dr. Schnell bietet beste Voraussetzungen für intensives Lernen und praxisnahe Unterweisungen. Wer hier die üblichen Seminarräume erwartet, wird überrascht sein von den lebensecht nachempfundenen vielfältigen Trainingsbereichen für den Einsatz professioneller Reiniger. So gibt es unter anderem eine Profiküche mit Kombidämpfern, gewerblicher Spültechnik und Handhygieneprodukten.

Die Münchner Familie Schnell steht zum Standort Deutschland, speziell auch zur Produktion in Milbertshofen. „Das ist eine ganz bewusste Entscheidung“, betont Dr. Thomas Schnell. Der Betrieb schätzt die hohen Standards der Sicherheit im Umweltbereich. Außerdem hat das Unternehmen viel in die Infrastruktur des Geländes investiert; von der eigenen Stromversorgung mittels Solartechnik bis hin zur Abwasserentsorgung. Das macht das Grundstück auf der ehemaligen Kaninchenwiese heute wertvoller den je.

GV-kompakt sprach mit Dr. Thomas Schnell, Geschäftsführer der Dr. Schnell Chemie GmbH über Tradition und Innovation, Familienunternehmen und die Faszination von Reinigungsprodukten.

Sie leiten seit 2006 gemeinsam mit Ihrem Vater Dr. Wolfgang Schnell die Firma. War Ihnen schon immer bewusst, dass Sie einmal das Familienunter nehmen führen werden?
Ich bin mit der Nähe zur Firma und zu ihren Kunden aufgewachsen, denn wir haben ja auf dem Gelände gewohnt. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren, habe mich jedoch für Jura entschieden und nach der Ausbildung in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Seit 2003 arbeite ich jetzt in unserem Familienunternehmen und freue mich, meine Erfahrungen aus anderen Wirtschaftsbereichen hier einbringen zu können.

Was fasziniert Sie an der Sparte und an den Produkten der Firma?
Das Thema Reinigung steht meist nicht im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Aber wenn sie nicht funktioniert und die nötige Sauberkeit nicht gewährleistet ist, kann es schnell dramatische Folgen haben – ob in einer Großküche oder in der Klinik. Ich finde es spannend und sehr wichtig, dass wir Produkte herstellen, die dazu beitragen, dass es den Menschen gut geht und sie gesund bleiben.

Wie wichtig ist Ihnen die Tradition der Firma?
Ich verbinde mit dem Begriff Tradition nicht zuerst die langjährige Vergangenheit unseres Familienunternehmens. Für mich stehen das Grundverständnis und die Werte im Vordergrund. Beispielsweise das Grundverständnis, was mein Vater und schon mein Großvater von der Führung einer Firma gelebt und weitergegeben haben: die Orientierung auf die Wünsche der Kunden, die Ausrichtung unserer Produkte und Serviceangebote an ihren Bedürfnissen. Das ist mir wichtig.

In der Chemieindustrie agieren große, weltweit aufgestellte Konzerne. Wie schwer fällt es Ihrem mittelständischen Betrieb, sich gegen diese Konkurrenz zu behaupten?
Das ist natürlich keine leichte Aufgabe, aber wir nutzen für unsere Positionierung am Markt die Vorteile eines Familienunternehmens – und wie unsere Zahlen belegen – mit Erfolg. Dazu gehört eine langfristige Strategie. Wir planen nicht die schnelle Rendite, sondern aus Verantwortung für unsere Mitarbeiter ein stabiles und gesundes Wachstum. Wir haben den Vorteil, jeden Beschäftigten mit seinen Stärken und Schwächen persönlich zu kennen. So können wir sehr schnell und flexibel auf Kundenwünsche und -anforderungen reagieren. Viele Kunden schätzen zudem Kontinuität. Dr. Schnell pflegt langfristige Partnerschaften. Im Zusammenspiel mit unserem umfangreichen Serviceangebot verschaffen uns unsere stabilen Beziehungen nicht zu unterschätzende Vorteile am Markt – gerade gegenüber den großen Playern.

Die Firma DR. SCHNELL ist bekannt für ihre Innovationen. Welches Problem wollen Sie in nächster Zukunft durch Neu- oder Weiterentwicklung lösen?
Beim Einsatz von Reinigern geht es unserer Firma immer darum, den Chemieverbrauch zu reduzieren und umweltverträgliche Erzeugnisse zu entwickeln. Das wird auch weiterhin unser Bestreben sein. Jedoch glaube ich, dass es hier eine Grenze gibt, dass im Bereich Großverbraucher ein Mittel komplett ohne Chemie nicht funktioniert. Wir setzen auf umweltverträgliche Chemie und sind mit unseren zertifizierten Produkten Spitze. Noch nicht zufriedenstellend gelöst ist hingegen das Problem der Dosierung von Reinigern. In vielen Köpfen steckt immer noch der Spruch: Viel hilft viel. Wer danach handelt, kann jedoch mit modernen Erzeugnissen sogar Schaden anrichten. Unser eigenes Schulungsinstitut, 1999 gegründet, bietet Lösungen für das Problem. Zehn hauptamtliche Lehrkräfte unterweisen in diesem Zentrum oder auch vor Ort praxisnah in der richtigen Anwendung der Dr.-Schnell-Reiniger. Wir suchen aktuell also Wege, menschliche Fehler beim Einsatz professioneller Reiniger vermeiden zu helfen.

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