November, 2015

Eipro-Vermarktung GmbH & Co. KG

Nicht nur das Gelbe vom Ei: GV-kompakt schaute bei Eipro hinter die Kulissen und erfuhr, wieviel Potenzial hinter der harten Schale steckt.
Fotos: Eipro

Ein charakteristischer Geruch liegt in der Luft. Er erinnert mich an frühe Kindheitstage, an denen ich mit Großmutter im Hühnerstall die Eier einsammelte. Vom Federvieh fehlt weit und breit jede Spur, doch die Riesenmenge an Eiern in der Warenanlieferung von Eipro ist beeindruckend und Quelle des typischen Aromas. Farmen aus Deutschland und Erzeuger aus Nachbarländern mit Nähe zur Region, wie aus den Niederlanden, liefern täglich vier bis fünf Millionen frische Hühnereier in den Betrieb. „Bei der Wahl unserer Lieferanten sind uns kurze Wege und langfristige Kooperationen wichtig“, sagt Firmenchef Walter Peuker. Eipro verarbeitet ausschließlich einwandfreie frische Eier. Das wird durch engmaschige Qualitätsprüfungen sichergestellt, die weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Standards hinausgehen.

Oben gelb, unten weiß

Im ersten Sektor werden die Eier aufgeschlagen. Das übernehmen bei der großen Stückzahl leistungsstarke Maschinen, die mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision arbeiten. „Wir haben dafür in neue Anlagen vom Weltmarktführer Sanovo aus Dänemark investiert“, erläutert Eipro-Geschäftsführer Walter Peuker stolz diese technischen Wunderwerke. Pro Stunde schlägt jede von ihnen 108.000 Eier auf und trennt sie fein säuberlich. Das Eigelb fällt in die oberen Tässchen, das Eiweiß in die unteren. Ein Scanner überwacht den Vorgang, den kein menschliches Auge so zuverlässig erfassen könnte. Dann läuft die gesamte Verarbeitung der flüssigen Eiprodukte in geschlossenen Systemen ab, in denen jede Fertigungsstufe auf höchste Produktsicherheit ausgerichtet ist. Nach dem Aufschlagen wird das flüssige Ei gefiltert und in große, gekühlte Rohwarentanks gepumpt. Über ein weit verzweigtes, geschlossenes Rohrsystem gelangt das unpasteurisierte Ei zu den Pasteuren und wird über einen exakt definierten Zeitraum bei genau einzuhaltender Temperatur pasteurisiert. Das nun pasteurisierte Eiprodukt wird in gekühlte Fertigwarentanks gepumpt und über unterschiedliche Stationen abgefüllt.

Perspektiven fürs Naturprodukt

Vor 25 Jahren gründete Walter Peuker gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern die Firma Eipro mit der Idee, mehr aus dem sensiblen und vielseitigen Naturprodukt Ei herauszuholen. „Dem Ei neue Perspektiven geben“ definiert er die Vision. Vor allem sollte es sicher und länger haltbar, aber dennoch in allen Verarbeitungsstufen frei von Konservierungsstoffen sein. Von Beginn an arbeitet die Firma mit modernster Anlagentechnik und elektronischer Prozesssteuerung. Als Pionier und erstes Unternehmen in Europa setzt sie die aseptische Abfülltechnik für frische, flüssige, pasteurisierte Eiprodukte im Tetra Brik ein. Dank dieser Technik und intensiver Entwicklungsarbeit im Unternehmen gelingt das Vorhaben. Mit innovativen Produkten erobert Eipro den Großverbrauchermarkt. Das pasteurisierte Ei hält Einzug in die Küchen von Hotellerie, Gastronomie, Kliniken, Altenheimen, Betriebskantinen und in Backstuben. Heute erzielt das Unternehmen mit rund 180 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro.

Convenience und TK

Das komplette Sortiment des Unternehmens wird im niedersächsischen Lohne produziert. Das Werk ist über die Jahre gewachsen, verfügt neben modernen Fertigungs- und Abfüllanlagen auch über ein eigenes Logistikzentrum und ein hochmodernes Labor. Ausgeliefert werden die Produkte frisch und flüssig oder tiefgekühlt im Kleingebinde, wie dem Ein-Kilogramm Tetra Brik, in der zehn Kilogramm Bag in Box oder auch im Großgebinde. In Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung kommen vor allem Eifixprodukte, die pasteurisiert und aseptisch im Tetra Pak Brik verpackt sind, oder die tiefgekühlten Eiconveniencelösungen, wie Eipatty, Rührei, fertig gegartes Spiegelei, Eierstich, Eierpfannkuchen, gegarte Omelettes und die pasteurisierten Schaleneier Peggys zum Einsatz. Während es beim Abfüllprozess im Bereich Tetra Brik, beispielsweise für die frischen Teige oder das Schlemmerrührei, wenig zu bestaunen gibt, außer der nimmermüden Präzision und der Geschwindigkeit der Technik, bietet die Herstellung von TK-Convenienceprodukten mehr fürs Auge – und für die Nase. Denn wenn die Eimasse erhitzt, in Form gegossen und auf der Anlage mit Bratfett bei 90 Grad Celsius für verschiedenste Produkte ausgebacken wird, zieht ein appetitlicher Duft durch die Halle. Der Vorgang dauert auf der leistungsstarken Anlage nur wenige Minuten Dann sind die Pattys, Omlettes oder auch die Eierpfannkuchen fertig. Sie dampfen aus und kommen anschließend sofort in den Froster. Nach weiteren zehn Minuten sind sie auf minus 18 Grad Celsius tiefgekühlt, werden gewogen, gezählt und portionsweise abgepackt.

Das Labor sichert Qualität

Der Einblick, den mir Dr. Stefan Rühlmann in sein Reich gewährt, fällt nicht ganz so köstlich duftend, dafür umso spannender aus. Der Tiermediziner leitet das Betriebslabor mit sieben Mitarbeitern, Milchlaborantinnen und Produktentwicklern – und das mit ausgesprochener Leidenschaft. Die verschiedenen Testverfahren und Untersuchungen, die er und seine Kollegen täglich durchführen, sichern die Qualität der Eiprodukte. Rühlmann schildert die Arbeit wie einen Krimi nach dem Motto „Übeltätern auf der Spur“. Vereinfacht gesagt hat das Labor die Aufgabe, mit chemischen, mikrobologischen und radioimmulogischen Tests sicherzustellen, dass die Rohware, die Erzeugnisse in den einzelnen Verarbeitungsstufen und die Endprodukte immer Topqualität aufweisen. Dafür suchen die Mitarbeiter nach jeder nur erdenklichen noch so winzigen Belastung oder Beanstandung. Das Labor überwacht außerdem mit 50 bis 70 Wasserproben täglich die Reinigungsprozesse in der Produktion. „Das nach dem letzten Spülgang in den Anlagen verwendete Wasser muss so sauber wie Trinkwasser sein“, begründet der Laborleiter den Aufwand. Und nicht zuletzt laufen über Rühlmann und sein Team auch Proben zur Mitarbeitergesundheit und regelmäßige Schulungen für die Beschäftigten. „Der Mensch ist der größte Keimeinträger“, begründet der Veterinärmediziner diese Maßnahmen und berichtet stolz, dass es in den letzen zwölf Jahren bei Eipro keinerlei Beanstandungen gab. Die Mitarbeiter wissen um ihre Verantwortung bei der Arbeit mit dem sensiblen Naturprodukt Ei.

GV-kompakt sprach mit Walter Peuker, Geschäftsführer der Eipro-Vermarktung GmbH & Co. KG:

Herr Peuker, warum Eier? Was hat Sie vor 25 Jahren bewogen, eine Firma zu gründen, die dieses sensible Produkt verarbeitet?
Gab es ein Schlüsselerlebnis? Ja. 1990, während einer Reise in die USA, sah ich erstmals in einem Werk, wie Eiprodukte in Tetra Pak-Brik abgefüllt wurden. Eine Initialzündung! Ich war damals seit 15 Jahren Geschäftsführer einer Vertriebsgesellschaft, die frische Schaleneier für den Lebensmitteleinzelhandel vermarktete. Die Idee, das Naturprodukt Ei zu veredeln, spukte schon länger in meinem Kopf herum. Jetzt bekam sie eine Richtung. Eipro entstand. Gemeinsam mit den anderen Gesellschaftern der Firma entschieden wir, in eine Tetra Pak-Anlage zu investieren, auf der Eiprodukte hygienisch sicher abgefüllt werden konnten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren pasteurisierte Eiprodukte nur vier Tage haltbar. Unsere Produkte erreichten eine Haltbarkeit von 49 Tagen und das ohne den Einsatz von Konservierungsstoffen. Hiermit wurde eine Distribution an den Endverbraucher erst möglich. Mit diesen Produkten waren wir die ersten in Europa.

Welche Produkte markieren für Sie Meilensteine der Firmengeschichte? Worauf sind Sie besonders stolz?
Erstens auf den Anfang. Wir waren die ersten, die Ei aseptisch abgefüllt haben und damit dem Ei ganz neue Perspektiven gaben. Zweitens auf unser Schlemmerrührei, den Bestseller mit einzigartiger Rezeptur, der viel Kundenlob erfährt und auch international etabliert ist. Drittens auf das Konditor-Eiweiß – eine Entwicklung, an der wir viele Jahre getüftelt haben und die durch sehr hohen Nutzwert überzeugt. Und schließlich viertens auf unsere neuesten Produkte, die gebrauchsfertigen Teige für Waffeln, Crêpes, Kaiserschmarren und Eierkuchen sowie auf Peggys, unsere pasteurisierten Schaleneier.

Wer bzw. was sind die Gründe dafür, dass Eipro in den letzten 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte schreiben konnte?
Unsere 180 Mitarbeiter schaffen die Erfolge. Ich bin stolz auf jeden einzelnen an seinem Platz. Sie identifizieren sich mit der Firma und unseren Produkten. Viele sind dem Unternehmen über lange Jahre treu. Zeitarbeiter beschäftigen wir nicht. An Schlüsselpositionen sitzen genau die richtigen Leute, mit Ideen, Pioniergeist und einem offenen Ohr für die Wünsche und Anregungen der Kunden. Zudem kümmern wir uns um unseren Nachwuchs. Eipro ist anerkannter Ausbildungsbetrieb, bildet in allen Bereichen des Unternehmens aus. Und – wir treffen auch mutige Entscheidungen, beispielsweise zu Investitionen in hochmoderne Technik.

Woher nehmen Sie Anregungen und Ideen für neue Erzeugnisse?
Wir hören genau zu; unseren Kunden, den Mitarbeitern, Messebesuchern. Sie äußern Wünsche, aber auch Lob und Kritik. Daraus entwickeln wir neue Produkte bzw. optimieren unser Angebot.

Ist das Potential rund um das Ei nicht irgendwann ausgeschöpft?
Niemals! Das Ei hat so viele Facetten, die noch längst nicht alle entdeckt sind. Außerdem verändern sich Märkte und Anwender, aber auch Gewohnheiten. Aktuell wird beispielsweise eine eiweiß-proteingeprägte Kost stark nachgefragt, ein Bereich für mögliche Produktneuheiten. Im pasteurisierten Schalenei Peggys sehen wir großes Potenzial. Viele Küchenchefs haben das weiche Ei komplett aus ihren Speiseplänen verbannt aus Angst vor Gesundheitsproblemen. Aber die Gäste lieben es. Unsere pasteurisierten Schaleneier sind ein Weg, die Diskrepanz zu überwinden. Allerdings liegt noch viel Arbeit vor uns, die Küchenchefs davon zu überzeugen.

Wie halten Sie es persönlich, wie genießen Sie Eier am liebsten?
Ich esse täglich Ei, im Moment ein weichgekochtes Peggys. Mir schmeckt aber auch das Schlemmerrührei. Das passt einfach immer.

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