Globaler Meeresschutz

MSC feiert 20. Jubiläum

Vielen ist der MSC durch das blaue Siegel auf Fischprodukten bekannt. Dieses wird für nachhaltige Fischerei vergeben.

(Bild: MSC)
(Bild: MSC)

Aus Anlass des 20. Geburtstags des MSC (Marine Stewardship Council) trafen sich auf einer Konferenz in Berlin Vertreter aus Politik, Umweltschutz und Wirtschaft. Sie sprachen über Erfolge, Schwierigkeiten, Wünsche sowie Herausforderungen der internationalen Organisation und deren Pläne für die Zukunft.

Die Herausforderungen sind in den letzten 20 Jahren nicht kleiner geworden – im Gegenteil. Zum Thema nachhaltige Befischung der Ozeane kamen neue Probleme wie die Verschmutzung des Wassers mit Mikroplastik und der Klimawandel hinzu. Auch die Vereinten Nationen haben an ihrem Entwicklungsziel 14 „Schutz und nachhaltige Nutzung der Meere“ festgehalten. Dass der MSC eine wichtige, teilweise sogar wegweisende Rolle beim Erreichen dieses Zieles spielt, steht für die Allianz aus Umweltschutz, Politik und Wirtschaft außer Frage.

Triebkraft für europäische Fischereipolitik und bewussten Konsum

Heike Vesper, Leiterin des Internationalen WWF-Zentrums für Meeresschutz, betont: „Das MSC-Siegel hat in 20 Jahren viel verändert – im Verhalten und im Bewusstsein, bei Verbrauchern und bei Fischereien. Der MSC hat Bewegung und Transparenz in eine verschlossene Branche gebracht.”

Armutszeugnis für die Politik

Begonnen hatte der Kampf um eine nachhaltigere Fischerei mit einer Katastrophe. Im Jahr 1992 brach der einst riesige Kabeljaubestand vor der Ostküste Kanadas als Folge jahrzehntelanger Überfischung zusammen. Das ökologische Desaster, das mit dem Verlust von 35.000 Arbeitsplätzen auch gravierende sozioökonomische Folgen hatte, machte klar: Politik und Umweltschutz alleine waren nicht in der Lage, die industrielle Fischerei in nachhaltige Bahnen zu lenken.

Aus dieser Situation heraus wurde der MSC gegründet – „was dem Ausstellen eines Armutszeugnisses für die Politik gleichkam, die damals wie heute viel zu wenig gegen die Verschmutzung der Meere tat“, mahnt Robert Habeck. Als unabhängige, gemeinnützige Organisation sollte der MSC den Markt mit ins Boot holen und ihn mit Umweltschutz und Fischerei an einen Tisch bringen.

Angebot und Nachfrage, so die Idee, sollten helfen, die weltweite Fischerei auf nachhaltige Beine zu stellen. Je mehr Verbraucher nachhaltige Produkte wollen und je mehr sich Handel und Hersteller verpflichten, nachhaltige Produkte ins Sortiment zu nehmen, umso größer würde auch der wirtschaftliche Anreiz für Fischereien sein, auf nachhaltigen Fang zu setzen. Hat die Idee gehalten, was sie versprach?

Meere profitieren von Marktmechanismen

Viele deutsche Einzelhändler und Marken haben sich einem nachhaltigen Fischsortiment in ihrer CSR- und Einkaufspolitik verschrieben. 5.000 MSC-zertifizierte Fischprodukte sind mittlerweile auf dem deutschen Markt, laut Umweltbundesamt rund 60 Prozent des hiesigen Fischangebots. In 36 Ländern wurden bislang 315 Fischereien zertifiziert, weitere 86 sind in der Bewertung.

Auch beim Verbraucher ist Nachhaltigkeit zunehmend zum Einkaufskriterium geworden. Mehr als 70 Prozent der deutschen Konsumenten sind sich der Gefährdung unserer Fischbestände bewusst und wissen um die Bedeutung nachhaltigen Konsums. Das blaue MSC-Siegel gibt Orientierung beim Einkauf.

Positive Veränderungen erkennbar

Der Erfolg des MSC lässt sich am verbesserten Zustand der Meere und Fischbestände ablesen. Mehr als 1.200 messbare positive Veränderungen der Fischereien benennt der aktuelle MSC-Fortschrittsbericht, der kürzlich zur UN Meereskonferenz veröffentlicht wurde: Weniger Überfischung, weniger Beifang, mehr Schutzgebiete, stärkere Kontrollen und detailliertere Forschung. Laut Meereswissenschaftler Christopher Zimmermann ist der Abwärtstrend vor allem in den nördlichen Breitengraden gebremst, eine globale Trendumkehr gibt es jedoch nicht.

Ringen um Balance zwischen Naturschutz und Wirtschaft

Trotz aller Bemühungen: Noch immer gelten 30 Prozent der weltweiten Fischbestände als überfischt und mit einem Anteil von 12 Prozent an der weltweiten Fangmenge ist MSC-zertifizierter Fisch nach wie vor ein Nischenprodukt. Der MSC will den Anteil nachhaltiger Fischerei bis 2020 auf 20 Prozent und 2030 auf 30 Prozent steigern.

Um großflächige Veränderungen für unsere Meere zu erwirken, müssen auch bei Traditionsfischereien Veränderungen geschaffen werden. So zertifizierte man jüngst den mexikanischen Thunfischfang. Den Delfinbeifang reduzierte man erfolgreich von 150.000 Stück auf einige hundert pro Jahr reduziert. „Indem man in solche Fischereien geht, lassen sich die weitreichendsten Verbesserungen für unsere Meere erreichen“ meint Christopher Zimmermann.

Nachhaltigkeit auch in Entwicklungsländern

Langfristig soll der Großteil aller Fischereien der Welt auf nachhaltigem Niveau arbeiten. Daher wird ein Arbeitsschwerpunkt des MSC in den kommenden Jahren auf der Förderung von Fischereien in Schwellen- und Entwicklungsländern liegen. Nur so werden sich auch dort die Fischbestände erholen.

Auch in Südeuropa, Japan und Südkorea besteht viel Aufklärungsbedarf.

Gastronomie gefordert

Die EU-Abgeordnete und Fischereiexpertin Ulrike Rodust wünscht sich, dass nach dem Handel auch die Gastronomie ausweisen sollte, ob der verwendete Fisch aus nachhaltiger Quelle stammt.